Ermittlungsverfahren

Jeder kann Objekt eines Ermittlungsverfahrens werden. Denn die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens durch die Polizei und die Staatsanwaltschaft setzt eine strafbare Handlung nur scheinbar voraus.  Es reicht, dass die Verfolgungsbehörden den Verdacht haben, dass eine Straftat begangen worden sein könnte. Daran kann es schon aus unterschiedlichsten Gründen fehlen: Entweder, weil sich der Sachverhalt anders zugetragen hat, als die Verfolgungsbehörden vermuten, oder weil die rechtliche Bewertung des Sachverhaltes  durch die Staatsanwaltschaft keineswegs immer die einzig mögliche ist.

 

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei sind gezwungen, jedem Anfangsverdacht auf eine Straftat nachzugehen. Dabei kann eine Anzeige (anonym oder nicht), ein Zeitungsbericht oder auch der Querverweis einer Bank oder Behörde vollkommen ausreichen, ein Verfahren in Gang zu bringen.

Hier nur einige Situationen, mit denen typischerweise ein offizielles Ermittlungsverfahren beginnt:

 

  • Sie sind Geschäftsführer, Prokurist, Steuerberater Einkäufer oder Buchhalter einer inzwischen in die Insolvenz gefallenen GmbH? In diesem Fall wird ihr Verhalten durch die Ermittlungs-behörden genau geprüft werden. Sollte sich dabei auch nur der leiseste Verdacht einer strafbaren Handlung ergeben, so wird ein offizielles Ermittlungsverfahren aufgenommen. Die dabei vor allem in Betracht kommenden Straftaten: Insolvenzverschleppung, Warenkreditbetrug, Vorenthaltung von Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung oder auch die Beihilfe dazu. Alleine die Kenntnis oder auch das für-möglich-halten der schwierigen Zahlungssituation kann dabei den Gedanken an eine strafbare Handlung bei den Ermittlungsbehörden reifen lassen.

 

  • Sobald sie in einen Verkehrsunfall mit Personenschaden oder bedeutendem Sachschaden verwickelt sind, ist die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staats­anwalt­schaft/ Polizei die Folge.  Dies gilt erst recht, wenn bei Ihnen Alkohol im Spiel war.

 

  • Sie arbeiten in einem Unternehmen, welches an der Börse notiert ist. Bei ihrer Arbeit bekommen sie gerüchteweise zu hören, dass der Vorstandsvorsitzende rausgeschmissen werden soll oder eine Fusion mit dem Hauptkonkurrenten ansteht? Sollten Sie oder einer ihrer Angehörigen in dieser Situation Wertpapiere der betroffenen Unternehmen kaufen wollen, müssen Sie damit rechnen, dass es zu einem Verfahren wegen Insiderhandels gegen Sie und ihre Angehörigen kommt.

 

Wie gesagt: Ein Ermittlungsverfahren bedeutet nicht, dass etwas falsch gemacht worden sein muss. Wenn Sie aber in einer solchen Lage nicht selbst agieren und das Verfahren mitgestalten, können (und werden) Sie von der aktuellen Entwicklung überrumpelt werden. Es reicht eben manchmal nicht, unschuldig zu sein, manchmal muss man den Ermittlungsbehörden gegenüber dies auch nachdrücklich erklären.

 

Ohne einen Anwalt Ihres Vertrauens ist eine Kommunikation mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft aber nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich. Dabei ist der Umstand, dass nur der Verteidiger Akteneinsicht nehmen darf, nicht aber der Beschuldigte selbst, nur einer der gewichtigen Gründe, die dafür sprechen, einen Verteidiger zu beauftragen.

 

Auch die Verhandlungen mit Staatsanwaltschaften, Polizei und den Geschädigten ist nur über einen objektiven Anwalt sinnvoll möglich, da nur so hinderliche Emotionen ausgeblendet werden können.

Es heißt nach einem alten Sprichwort: Ein Anwalt, der sich selbst vertritt, hat einen Narren als Mandanten.  Erst recht gilt dieses Sprichwort, wenn derjenige, der sich selbst vertritt, kein Anwalt ist. Seien Sie also kein Narr…

 

Übrigens:  Nicht wahr sind Sprüche wie die folgenden: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“  oder „Nur, wer was zu verbergen hat, benötigt einen Anwalt“. Gute Ermittler schätzen es durchaus, wenn auf der Gegenseite professioneller Rat zu finden ist. Dies kann die Kommunikation und das Zusteuern auf ein schnelles Ende hin erleichtern.